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Fantastische Bibliothek

For wenigen Monaten geschrieben. I'm willing to translate this upon request.

         Fantastische Bibliothek
 
Manchmal fühlt sich mein Kopf vollkommen leer an. Und dann lösen sich die Buchstaben von der Innenseite meines Schädels. Die Buchstaben bilden blitzschnell Worte. Die Worte werden zu Sätzen. Und die Sätze reihen sich aneinander bis sie lange Reden sind. Die langen Reden aus Sätzen aus Worten aus Buchstaben suchen einen Weg hinaus und ich öffne schon den Mund da fällt mir ein: Ich weiß doch gar nicht was ich sagen soll. Und ignorier den wartenden Wortschwall der auf jegliche Zuhörer losgelassen werden möchte. Für ein paar Minuten kämpf ich mit mir, aber als ich mich endlich entschieden hab zu reden passt meine Rede schon nicht mehr zum Gespräch. Ich hör der Unterhaltung ein bisschen zu, mach einen Kommentar hier, lächle dort ein bisschen dünn. Und dann, ein Wort, und die nächste lange Rede bereitet sich vor. Nachdem sich der Prozess ein paar Mal wiederholt hat, frag ich mich ob die Buchstaben in meinem Kopf nicht lernen wollen, dass sie es nie nach draußen schaffen werden. Normale Leute lernen doch aus ihren Fehlern. Richtig? Andererseits sind Buchstaben keine Leute sondern eben nur Buchstaben. Ganz gleich, wie seltsam sie sich in meinem Kopf benehmen. Stell sich einer vor, wie oft mir das am Tag passiert. Ohne die Leere im Kopf natürlich. Die kommt nämlich nur ganz selten. Aber die unausgesprochenen Reden aus Sätzen aus Worten aus Buchstaben, die eigentlich nur flüchtige Gedanken sind. Die sind immer da. Sie machen mich ganz wahnsinnig und ich könnte ganze Bibliotheken mit ihnen füllen. Ich wünsch mir oft, sie wären nicht da. Andererseits, wenn ich diese Bibliotheken voll Reden aus Sätzen aus Worten aus Buchstaben nicht denken würde, wer tut es dann? Niemand. Also bin ich vielleicht genau de richtige Frau für den Job. Ich tu nicht viel und ich sag nicht viel also bleibt mir genügend Zeit um all die unausgesprochenen Bibliotheken voll langen Reden aus Sätzen aus Worten aus Buchstaben zu denken. Richtig? Also verbring ich meine Zeit damit, mit mir selbst zu diskutieren ob ich meiner Schwester sagen soll, dass sie oberflächlich und rücksichtslos ist. Oder ob ich Frau Trost erzählen soll, dass ich noch am Leben bin, weil ich mich nicht trau selbiges zu enden. Aber im Endeffekt sag ich nichts. Was nützen mir meine hübschen gedanklichen Bibliotheken voll mit langen Reden aus kunstvollen Sätzen aus bunten Worten aus Buchstaben? Sie haben doch keinen Sinn, wenn niemand außer mir von ihnen weiß. Deswegen schreib ich so gerne. Na ja, und weil mir sonst der Kopf  explodieren würde. Und jetzt, da ich mir meine momentanen Gedanken und Sorgen von der Seele geschrieben hab. Jetzt bin ich richtig ruhig. Ich schau schnell ob Mama noch wach ist, sag ‚Gute Nacht’ und geh schlafen. Hoffentlich lassen mich die Bibliotheken voll Reden aus Sätzen aus Worten aus Buchstaben wenigstens bis morgen in Ruhe. Gute Nacht.
 
 
 
 
 
March 13. 2010
annabethgray annabethgray 16-17, F Jun 13, 2010

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